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Lernpsychologische Studien haben ergeben, dass der nächtliche Schlaf für das Lernen sehr wichtig ist. Lernen endet also nicht mit dem Schulgong oder mit den Hausaufgaben.
Der Inhalt, den die Schülerinnen und Schüler während des Tages aufnehmen, wird im Hippocampus, einer Art Zwischenspeicher im Gehirn, abgelegt. Während des Schlafens in der Nacht zeigt der Hippocampus ähnliche Aktivität wie während der Lernzeit am Tag. Forscher erklären, dass in der Nacht das Gelernte vom Hippocampus ins Stammhirn übertragen ("downgeloaded") wird. Dabei sind die REM-Phasen für das deklarative Gedächtnis, die Traumschlafphasen für das prozedurale Gedächtnis essentiell wichtig.1
Wenn in unserem Schulzentrum die Schule bereits im 7.20Uhr in der Frühe beginnt, die Kinder bereits am 06.40 Uhr im Bus nach Oberndorf sitzen und deshalb bereits ab 5.45 Uhr aufstehen müssen, ist dies überhaupt nicht mit den Erkenntnissen der Lernforschung über die Relevanz der Schlafphasen für das Lernen vereinbar. Dieser frühe Schulstart wirkt also dem natürlichen Lernvorgang des Gehirns entgegen.
Bei Jugendlichen (ab 14 Jahren) beginnt normalerweise morgens kurz vor 06.00 Uhr eine dieser für das Lernen wichtigen Schlafphasen. Die Oberndorfer Schülerinnen und Schüler müssen zu dieser Zeit aber aufstehen, damit sie rechtzeitig zur Schule kommen. Aufgrund dieses Schlafverhaltens sind viele Jugendliche in den ersten Stunden müde und unkonzentriert.
Natürlich könnte man einfach entgegnen, die Schülerinnen und Schüler sollten einfach früher ins Bett gehen, um genügend Schlaf für erfolgreiches Lernen zu bekommen. Das ist aber leider nicht so einfach möglich, da die Schlafphasen mit dem Biorhythmus der Jugendlichen zusammenhängen und diese chronobiologisch zu bestimmten Uhrzeiten stattfinden - oder eben nicht.  Es liegt in der Natur dieses Lebensabschnitts, nicht früh einschlafen zu können. Jugendliche erleben ihr Leistungshoch zwischen 14 und 16 Uhr, ein spätes Zubettgehen sei deshalb natürlich, meint der Schlafforscher Jürgen Zulley.2
Wollen wir für unsere Kinder in Oberndorf auch in der Zukunft das Beste, ist es meines Erachtens notwendig, hier zu reagieren und den Beginn des Unterrichtstages nach hinten zu verlegen. Nach Angaben der Forscher wäre ein Beginn um 9.00 Uhr ideal. Wenn man den Beginn auf 8.00 Uhr legen würde, wäre auch schon einiges gewonnen.
Dieses Thema in Oberndorf anzusprechen, erzeugt bei Gesprächspartnern meistens nur ein resigniertes Kopfschütteln. Viele Leute hätten schon öfters einen späteren Schulbeginn angeregt.  Aber man hätte wohl nichts bewegen können, erhält man als Antwort. Aus organisatorischen Gründen sei es wohl nicht möglich.
Warum stoßen wir bei diesem Thema immer wieder auf so viel Widerstand? Sind es tatsächlich die Busverbindungen der schülerbefördernden Busunternehmen, die mit einem Fahrzeug zeitversetzt die Schulen in Rottweil und Oberndorf anfahren wollen? Kann es sein, dass die Gewinnoptimierung der Busunternehmen Vorrang vor der Gesundheit und dem Lernerfolg der Kinder hat?
Auch unsere ehemalige Familienministerin Frau Kristina Schroeder (CDU) plädiert für einen späteren Schulbeginn. Lesen Sie den Beitrag auf Ihrer Internet-Seite.

 

1 „Lernen im Schlaf“; dasGehirn.info - Kosmos im Kopf; 
https://www.dasgehirn.info/handeln/schlaf-traum/lernen-im-schlaf-2075 (letzter Zugriff am 08.01.2017)

2 „Sollte Schule später anfangen?“ - ersteNachhilfe.de;
 https://www.erstenachhilfe.de/blog/Sollte-Schule-spaeter-anfangen; (letzter Zugriff: 08.01.2017)